Jeffrey Dahmer

Die Liste der Opfer ist lang und die Leiden hinter den Morden in den Familien der jungen Männer sind unsagbar. Nicht nur, dass Ihnen das liebste geraubt wurde, sondern auch die Chance auf angemessenen Abschied wurde ihnen genommen. Insgesamt starben 17 Menschen durch ihn. Die zwölf identifizierten, die er in den beiden Jahren vor seiner Verhaftung tötete sind hier aufgelistet.

  • Steven Toumi, September 1987
  • Richard Guerrero, März 1988
  • Edward Smith Juni, 1990
  • Schutze Beeks Juli, 1990
  • Ricky Ernest Miller, September 1990
  • Davids Thomas, September 1990
  • Curtis Straughter, Februar 1991
  • Errol Lindsey, April 1991
  • Anthony Hughes, 24. Mai 1991
  • Konerak Sinthasomphone, 27. Mai 1991
  • Matter Turner, 30. Juni 1991
  • Jeremiah Weinberger, 05. Juli  1991
  • Oliver Lacey, 12. Juli 1991
  • Joseph Bradehoft, 19.  Juli 1991

Und dabei hätte es Gelegenheiten gegeben, den verurteilten Kinderschänder nach dem Mord an Anthony Hughes zu überführen und die Leben von mindestens fünf der Opfer zu retten. Doch auch Polizisten sind nur Menschen und so blieb Jeffrey auf freiem Fuß.

Der erst 14-jährige Konerak Sinthasomphone konnte, obwohl Dahmer ihn schon betäubt hatte und ihn in seiner Wohnung gebracht hatte, die Gelegenheit nutzen, als sein Peiniger kurz das Appartement verließ, sich zur Türe und in Freiheit zu schleppen. Nackt, orientierungs- und fast besinnungslos irrte er auf die Straße und stolperte dort Sandra Smith und ihrer Cousine Nicole, beide 18 Jahre alt, in die Arme.

Die beiden Jugendlichen verständigten sofort die Polizei und hüllten den Jungen in eine Decke. Als die Polizisten eintrafen hatte sich schon ein blonder, allglatter Mann dort eingefunden und diskutierte mit den beiden Mädchen um dessen Herausgabe. Die Polizisten ließen sich von den Ausweisen und dem charmant-intelligenten Argumenten des Herren überzeugen, der ihnen erzählte, der junge sei sein betrunkener Geliebter, 19 Jahre alt, und wohl etwas verstört. Er entschuldigte sich für den Ärger und versprach, dass keine Störungen mehr vorkommen würden. Dann bat er sie in die Wohnung und setzte dort den völlig abwesenden Konerak auf das Sofa.

Die Wohnung war gut eingerichtete und machte einen ordentlichen Eindruck. Als die Polizisten Fotos von Konerak in einem schwarzen Bikini sahen, wollten sich die Beamten nicht länger mit den Beziehungsproblemen des homosexuellen Pärchens beschäftigen und verließen die Wohnung, die laut Polizeibericht bis auf den beißenden Geruch als unauffällig beschrieben wurde, ohne eine Durchsuchung der anderen Räume oder eine Überprüfung der Identität Dahmers vorzunehmen. Im Schlafzimmer lag unterdessen der teilweise zerteilte Körper des drei Tage vorher getöteten Anthony Huges auf dem Sofa und wartete seiner endgültigen Sektion.

Was dann folgte, spottet jeder Beschreibung. Dahmer fesselte Konerak, verging sich an dem willenlosen Jungen und tötete ihn anschließend. Daraufhin begann er den Körper zu zerteilen und den Schädelknochen heraus zu präparieren, um ihn in seine Sammlung aufzunehmen. Diese Sammlung wurde am 22. Juli 1991 gefunden, als ein weiteres Opfer Dahmers, Tracy Edwards, fliehen konnte und ihn anzeigte.

Bei der Hausdurchsuchung wurden ein Kopf im Kühlschrank, Hände in einem Kochtopf, drei eingefrorene Schädel und ganze fünf Totenschädel in einem Regal gefunden. In einem Fass wurden die Überreste von fünf Körpern in einem Säurefass und im diverse Gläser mit in Formaldehyd konservierten Penissen entdeckt. In den Verhandlungen erklärte Dahmer aus den Überresten seiner Opfer einen Schrein anfertigen gewollt zu haben.

Jeffrey Lionel Dahmer wurde in Milwaukee geboren, wuchs in Bath, Ohio, auf und empfand bereits seine Kindheit als trostlos und einsam. Weder sein Vater, ein vielbeschäftigter Chemiker noch seine Mutter kümmerten sich um ihn. Joyce, sein Mutter, war durch ihre psychische Krankheit zu sehr mit sich selbst beschäftigt und kümmerte sich lieber um Dahmers jüngeren Bruder.

Durch die vielen Umzüge, die der Beruf des Vaters mit sich brachte, konnte sich Jeffrey nirgendwo richtig einleben und Freunde waren immer nur Freunde auf Zeit. So wurde er schnell zum Einzelgänger und lebte schon in jungen Jahren in seiner eigenen Traumwelt. Er verfiel noch als Minderjähriger dem Alkohol und fand Freude in Chemie und Biologie. Doch seine Freude war das Leider vieler anderer Kreaturen - er schnitte Tieren den Leib auf und zerstückelte sie. Angefacht wurde diese Leidenschaft durch den Fund toter Tiere auf der Straße, die er mit nach Hause brachte um sie mit verschiedenen Chemikalien bearbeitet und ihre Haut, Federn, Knochen ablöste und sammelte.

Den ersten Mord an einem Menschen vollzog er 1978, kurz nach seinem High School-Abschluss an Steven Hicks (Bild rechts), einem Tramper, mit dem er eine kurze Liaison hatte und der weiterziehen wollte. Seine Leiche vergrub er in Teilen in Plastikbeuteln verpackt im Garten. Um nicht überführt werden zu können zerhackte er später den Kadaver weiter, zertrümmerte die Knochen in kleinste Splitter, nachdem er die Reste von Fleisch und Haut in Säure aufgelöst hatte. Die Überbleibsel vergrub und verstreute er im Garten. Tötungsvisionen, berichtete Dahmer später, hatte er bereits im Alter von 14 Jahren.

Nach dieser Tat erwachte, wie in den meisten Serientätern, die Sucht nach der Macht und das Gefühl, nicht erwischt werden zu können. Da er jedoch in die Armee musste und in Deutschland stationiert wurde, fand er Ablenkung. Später, nachdem man ihn unehrenhaft wegen Alkoholismus entlassen hatte und er in Florida wohnte, besuchte Bars und Saunen für homosexuelle, sprach junge Männer an und bot ihnen auch Geld damit sie für ihn posierten und er sie fotografierte.

Bei sich zuhause gab er ihnen mit Schlafmitteln versetztes Bier und strangulierte die Opfer. Teilweise verging er sich an den lebenden aber auch an den bereits toten Männern und irgendwann begann er auch damit, Teile der Leichen zu essen. Er schoss auch zahlreiche Fotos all seiner Taten. Wie um die Gräueltaten zum Höhepunkt zu treiben, bohrte er auch bei einigen Opfern mit einer Bohrmaschine Löcher in den Schädel und goss Chemikalien hinein um Zombies zu schaffen; mindestens zwei der Männer waren bei dieser Prozedur noch am Leben. Alles was Dahmer tat, tat er in seiner eigenen Wohnung.

Die Geschichten aus der Zeit des Todes wurden von dem Polizisten Patrick Kennedy herausgefunden. Er, ein Mann wie ein Bär, erschlich sich das Vertrauen Dahmers und wurde von ihm in dessen Taten eingeweiht.

Angesichts dieser Abscheulichkeiten ist es auch kein Wunder, dass er im Gefängnis große Probleme mit den Mithäftlingen hatte. Er bekam nur schlimmste Arbeiten zugeteilt und wurde des Öfteren übel misshandelt. Im Herbst 1994 schließlich wurde er beim Putzen der Toiletten von einem anderen Inhaftierten mit einem Besenstiel erschlagen, nachdem die Wärter die Häftlinge alleine gelassen hatten.